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Kongressneuigkeiten

Bild des Benutzers PD Jilek

Was empfehlen die neuen Leitlinien 2016 zum Thema Vorhofflimmern?

ESC Kongress 2016

Im letzten Blog hatte ich angekündigt, dass wir uns diesmal weiter mit den Symptomen von Vorhofflimmern beschäftigen. Aus aktuellem Anlass will ich Ihnen heute jedoch etwas anderes vorstellen und werde mit den Symptomen in der kommenden Woche fortfahren.

Auf dem diesjährigen europäischen Kardiologenkongress in Rom Ende August wurden neue Leitlinien zu Vorhofflimmern vorgestellt. Leitlinien stellen Empfehlungen zur Diagnostik und Behandlung von Erkrankungen dar, die auf wissenschaftlichen Untersuchungen und auf Expertenmeinungen beruhen und in diesem Fall von der Europäischen Gesellschaft für Kardiologie erstellt wurden. Leitlinien geben allgemeine Empfehlungen, müssen aber auf den jeweiligen Patienten vom behandelnden Arzt abgestimmt werden. Dies bedeutet, dass nicht alles, was in den Leitlinien empfohlen wird, auch für jeden Patient richtig ist.

Einen besonderen Wert legt die neue Leitlinie auf das Erkennen der Rhythmusstörung Vorhofflimmern. Bei einem erheblichen Anteil der Patienten wird Vorhofflimmern leider erst dann diagnostiziert, wenn bereits eine Komplikation durch das Vorhofflimmern aufgetreten ist, wie z.B. ein Schlaganfall. Daher wird ein intensives Screening empfohlen, wenn Patienten einen Schlaganfall oder eine Vorstufe eines Schlaganfalls erlitten haben und bei Patienten, die älter als 65 Jahre sind. Bevorzugte Untersuchungstechnik bleiben das EKG und Langzeit-EKG.

Bezüglich der Blutverdünnung äußern sich die Leitlinien derart, dass, wenn möglich, den "neuen" blutverdünnenden Medikamenten (den sogenannten nOAKs) der Vorzug gegeben werden soll. Dies liegt darin begründet, dass die neuen Blutverdünner sicherer sein sollen. Für Patienten, die keine Blutverdünnung erhalten können, besteht die Möglichkeit der Implantation eines Vorhofohrverschluss-Systems. Dieser "Stöpsel" soll verhindern, dass sich in dem "Ohr" des Vorhofs Blutgerinnsel bilden und sich im Verlauf lösen und beispielsweise Schlaganfälle auslösen können.

Bei Patienten, die unter Medikation weiter unter Vorhofflimmern leiden, unterstreicht die Leitlinie die Bedeutung der Ablation als primäre Therapieform, um normalen Sinusrhythmus wiederherzustellen und zu erhalten.

Zusammenfassend liegt der Hauptaugenmerk der Leitlinie, Vorhofflimmern früher zu erkennen, die Schlaganfallprohylaxe für den einzelnen Patienten sicherer zu machen, effektive Methoden zum Rhythmuserhalt anzuwenden und Strukturen aufzubauen, dass fachübergreifend Mediziner am Thema Vorhofflimmern gemeinsam zum Wohle der Patienten zusammenarbeiten.

Somit passt die Leitlinie zum Schwerpunkt des Europäischen Kardiologenkongress in Rom, der die Teamarbeit in der Kardiologie und den angrenzenden Fachgebieten als wichtige Voraussetzung fördert, um die jeweils beste Behandlungsmöglichkeit für den jeweiligen Herz- und Gefäßpatienten zu finden.

Ein schöne Woche wünscht Ihnen

Ihr PD Dr. Clemens Jilek