Skip to content Skip to navigation

Alkohol und Vorhofflimmern

Bild des Benutzers PD Jilek

Rotwein, Caipi oder Longdrink - Was Vorhofflimmern davon hält

Die Meinung über Alkohol in der Medizin war lange klar: Ein Gläschen Rotwein am Abend schützt das Herz vor Erkrankungen. An dieser Überzeugung rüttelt nun eine aktuelle Arbeit, die kürzlich in der Zeitschrift einer der größten kardiologischen Gesellschaften Nordamerikas veröffentlicht wurde.

Alkohol schadet dem Herzrhythmus. Im Gegensatz zur schützenden Wirkung von moderatem Alkoholgenuss vor Gefäßverkalkung scheint der Herzrhythmus auch von kleinen Mengen Alkohol nicht begeistert zu sein. Bisher war bekannt, dass Alkoholexzesse Vorhofflimmern auslösen können. Dieses Phänomen wurde unter dem Begriff "Holiday Heart Syndrom" zusammengefasst, da Vorhofflimmern oftmals nach ausgelassenen Feiern auftrat.

Die Autorengruppe um Aleksandr Voskoboinik fasst nun zusammen nun, dass auch geringer regelmäßiger Alkoholgenuss durch verschieden Veränderungen im Körper zu Vorhofflimmern führen kann. Die Veränderungen betreffen überwiegend das autonome Nervensystem im Körper, also die Steuerung aller grundlegenden Funktion im Körper. Durch eine Gleichgewichtsverschiebung zwischen dem aktivierenden Nervensystems (auch Sympathikus genannt) und dem auf Ruhe und Erholung ausgreichtetem Nervensystem (auch Parasympathikus genannt), kommt es zu einer vermehrten Stressbelastung des Herzens. Dadurch werden die Herzmuskelzellen anfälliger für Rhythmusstörungen wie Vorhofflimmern.

Besteht Alkoholkonsum über einen längeren Zeitraum lagert sich zwischen den Herzmuskelzellen Narbengewebe ab und erschwert damit einen regelrechten Stromfluss im Herzen. Ist der Stromfluss gestört, können daraus Herzrhythmusstörungen entstehen. Alkohol hat jedoch auch über andere Erkrankungen Auswirkungen auf den Herzrythmus: Übermäßiges Körperfett führt zur Ausweitung der Vorhöfe im Herzen und begünstigt damit Vorhofflimmern. Zudem begünstigt Übergewicht das Auftreten von z.B. Atemaussetzern in der Nacht (Schlaf-Apnoe-Syndrom), was wiederum zu Vorhofflimmern führen kann.

Wie konkret sich Alkohol auf das Vorhofflimmern auswirkt konnte in einer Untersuchung mit über 12 000 Patienten gezeigt werden: Jedes zusätzliche alkoholische Getränk pro Tag erhöht die Wahrscheinlichkeit für Vorhofflimmern um 8%. Allerdings gab es Unterschiede zwischen den Alkoholika: Bei Wein und Hochprozentigem zeigte sich ein Zusammenhang mit dem Auftreten von Vorhofflimmern, bei Bier ließ sich dagegen kein Zusammenhang herstellen.

Bei Vorhofflimmern müssen wir uns also von Alkohol in Maßen verabschieden: Jedes Gramm erhöht die Wahrscheinlichkeit für Rhythmusstörungen.

Das Praktische ist: Nach dem Fasching kommt die Fastenzeit...

Ihr PD Dr. Clemens Jilek