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Vorhofflimmern München: Ursachen, Diagnose u. Therapie

Unregelmässiger Puls: Im höheren Alter ist häufig Vorhofflimmern die überraschende Diagnose

Vielfach lange unerkannt fällt diese Rhythmusstörung erst durch eine gefürchtete Komplikation auf: der Schlaganfall. Regelmässige Pulskontrolle könnte viele Fälle noch rechtzeitig aufdecken. Vorhofflimmern ist die häufigste Rhythmusstörung bei Patienten über 60. 

Vorhofflimmern: Diagnostik und Therapie München - Beste Technik und Top Experten für Ihr HerzVorhofflimmern ist die häufigste bedeutsame Herzrhythmusstörung. Mehr als 1 Millionen Menschen sind heute allein in Deutschland betroffen. Prognosen gehen bei weiter steigendem Altersdurchschnitt von einer weiteren Steigerung der Erkrankungszahlen in den nächsten Jahrzehnten aus. Im höheren Lebensalter steigt das Erkrankungsrisiko, in der Gruppe der über 80-jährigen leiden 15 % Prozent unter gelegentlich auftretendem oder dauerhaftem Flimmern. Die Dunkelziffer (unerkanntes Vorhofflimmern) ist nach Einschätzungen des Kompetenznetz Vorhofflimmern deutlich höher, etwa 1 Millionen zusätzliche Patienten können betroffen sein. 

Als Symptome bemerken viele Patienten einen Leistungsknick mit Müdigkeit, Herzrasen oder unregelmäßigen Herzschlag oder auch Luftnot. Etwa 30% der Patienten bemerkt den unrhythmischen oder schnellen Herzschlag nicht. Anders als beim Kammerflimmern besteht zwar keine unmittelbare Lebensgefahr, das Schlaganfallrisiko ist unbehandelt jedoch hoch. Häufig wird Vorhofflimmern erst diagnostiziert, wenn bereits eine neurologische Komplikation (Schlaganfall) aufgetreten ist. 

Am Osypka Herzzentrum leitet einer der international führenden Experten für Diagnostik und Therapie von Vorhofflimmern - Chefarzt Prof. Dr. Thorsten Lewalter- den Schwerpunkt Herzrhythmusstörungen. Sein Fachbereich ist mit modernster Technik ausgestattet.

Schlaganfall - häufige Ursachen
Vielen Patienten unbekannt: Herzrhythmusstörungen -häufig Vorhofflimmern- können die Ursache sein. Mit moderner Diagnostik kann das gefährliche Herzflimmern aufgedeckt werden.
Ablations-Behandlung
Bleiben medikamentöse Behandlungsversuche erfolglos, kann eine Verödungsbehandlung (Pulmonalvenen-Isolation) häufig helfen. Erfahren Sie mehr über die moderne Therapieform.
Vorhofflimmern - LASER Ablation
Moderne LASER Technologie erlaubt die Präzise Verödung von Arrhythmiequellen im Bereich der Lungenvenen (Pulmonalvenen-Isolation). Die komplette Diskonnektion der Venen ist für den Therapie-Erfolg wichtig.
Herz-Monitor
Langzeit-EKGs erfassen häufig nicht alle Arrhythmien. Ein implantierbarer Herzmonitor kann für bis zu 3 Jahre EKGs aufzeichnen und über eine Mobilverbindung sicher zum Arzt versenden.
Beratung bei Vorhofflimmern
Häufig bleibt die Behandlung dieser Rhyhthmusstörung lange erfolglos. Unsere erfahrenen Fachärzte beraten Sie gerne über die aktuellen Möglichkeiten der medikamentösen und ablativen Behandlung.

Regelmässiges Pulsfühlen kann helfen, Schlaganfälle zu verhindern

"Eine einfache Massnahme ist die tägliche Pulskontrolle durch den Patienten. Wird ein unregelmässiger Herzschlag (Puls) bei der Puls-Kontrolle durch den Patienten oder z.B. bei der Blutdruckmessung mit einem modernen Messgerät bemerkt, sollte ein Ekg und Langzeit-EKG veranlasst werden". so Prof. Dr. med. Thorsten Lewalter. Auf den folgenden Seiten informieren wir Sie über die häufigsten Ursachen für Vorhofflimmern, die wichtigsten Therapie-Strategien und Koplikationen dieser häufigsten Rhythmusstörung des älteren Patienten. Fragen zur Medikation, Sport und Schlaganfallprophylaxe werden genau erklärt. Bitte sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen zum Krankheitsbild oder zur Therapie haben.

Was ist Vorhofflimmern?

Gerät das Herz aus dem normalen Sinus-Takt schlagen die Vor- und Hauptkammern nicht mehr koordiniert hintereinander. Die ungerichteten Pumpbewegungen der Vorkammern nennt man "Flimmern".

Die Vorkammern des Herzens sammeln das rückströmende Blut aus dem Körper bzw. Lungenkreislauf. Durch rhythmisches Zusammenziehen der Herzmuskelzellen pumpen die Vorhöfe das Blut in die Hauptkammern. Der Takt-Impuls wird vom sogenannten Sinusknoten vorgegeben. Vorkammern und Hauptkammern schlagen koordiniert nacheinander. So ist ein gerichteter Blutfluss möglich. Die Vorkammern tragen etwa zu 20-30% zur Gesamtleistung des Herzens bei.

Bei verschiedenen Erkrankungen kommt es zu Störungen in der Vorhofkontraktion. Durch "Störsignale, die meist aus den Eingängen der Lungenvenen stammen, gerät die koordinierte Kontraktion aus dem Takt: die Muskelzellen ziehen sich vollkommen unkoordiniert zusammen. Dadurch entsteht ein chaotisches Bewegungsmuster, der Vorhof "flimmert".


Vorkammern und Hauptkammern geraten dadurch aus dem Takt. Dies zeigt sich durch einen unregelmässigen Puls, bei vielen Patienten aber auch durch ein Schwächegefühl und eingeschränkte Herzleistung. Denn: dem Herzen fehlt die Leistung der Vorkammern.Der Puls wird unregelmässig: Anders als beim regelmässigen Sinusrhythmus werden die chaotischen Vorhofaktionen unregelmässig auf die Hauptkammern übergeleitet. Dadurch entsteht ein unregelmässiger, oft schneller Herzschlag (Tachykardie) oft aber auch ein sehr langsamer Rhythmus (Bradykardie). Beides kann auch nebeneinander auftreten. Das wird dann auch als Brady-Tachy Syndrom bezeichnet.

Welche Ursachen für Vorhofflimmern gibt es?

Es gibt keinen einzelnen Grund vor Vorhofflimmern. Viele internistische Grunderkrankungen können Vorhofflimmern auslösen. Wichtig daher: Sorgfältige Diagnostik.

Häufig sind Erkrankung des Herz-Kreislaufsystems für das Vorhoffimmern verantwortlich. Daher kann oft schon die Behandlung dieser Grunderkrankungen das Flimmern beseitigen oder die Häufigkeit der Episoden deutlich vermindern. Aber auch allgemein-internistische Erkrankungen wie z.B. Schilddrüsenüberfunktion, Lungenerkrankungen (z.B. COPD) oder Schlafaussetzer (Apnoe) können ursächlich sein. Häufig sind:


- Bluthochdruck (40% der Flimmer-Patienten!)
- Koronare Herzerkrankung
- Schilddrüsenerkrankungen
- Herzklappenerkrankungen
- Herzschwäche (Herzinsuffizienz)


Bei vielen diese Erkrankungen kommt es zu Veränderungen des Herzmuskelgewebes und eine Erweiterung der Vorkammer. Wichtig ist daher eine frühzeitige Behandlung, ein großer Vorhof macht eine erfolgreiche Therapie (medikamentös, Ablation) unwahrscheinlicher. Bei der Behandlung von Vorhofflimmern ist es wichtig, zunächst Ursachen, die zum Vorhofflimmern führen können, zu beseitigen. Häufig verschwindet dann das Vorhofflimmern ohne langfristige Therapie mit Antiarrhythmika.

Diagnose von Vorhofflimmern - wie kann man die Rhythmusstörung selbst erkennen? Was diagnostiziert der Arzt?

Langzeit-EKG: Deckt Vorhofflimmern oder andere Arrhythmien aufHäufig bleit Vorhofflimmern lange unbemerkt. Ein Routine-EKG oder eine Komplikation (z.B. Schlaganfall) decken die Erkrankung auf. Was kann jeder Einzelne tun, um diese Komplikationen zu vermeiden? "Die regelmässige Pulskontrolle durch den Patienten selbst ist ab einem Alter >60 Jahre sinnvoll", so Prof. Lewalter. Wer regemässig seinen Puls auch nur für eine Minute pro Tag tastet, kann unregelmässigen Herzschlag selbst erkennen. Viele Blutdruckgeräte "melden" ebenfalls Pulsunregelmässigkeiten. Dann sollte weitere Diagnostik beim Arzt erfolgen.

EKG-Aufzeichungen in Ruhe, bei Belastung oder über mehrere Stunden/Tage (Langzeit/Holter-EKG) können  das Flimmern aufdecken. Bleibt unklar, ob nur kurze Phasen oder häufige Episoden auftreten, kann die Implantation eines Herz-Monitors sinnvoll sein. Dies kann helfen, zu entscheiden, ob ggf. die Behandlung mit Gerinnungshemmern sinnvoll ist.

Welche Symptome treten bei Vorhofflimmern auf?

Viele Patienten bemerken keine Symptome, andere sind in ihrer Leistungsfähigkeit stark beeinträchtig. 

Schneller, unregelmässiger Herzschlag, Herzstolpern oder Pausen oder einfach nur eine eingeschränkte körperlicher Leistungsfähigkeit. Die Bandbreite der Beschwerden ist groß. Besonders tückisch: Viele Patienten haben keinerlei Symptome. Erst nach einem Schaganfall oder einer Embolie in Körperarterien wird das gefährliche Flimmern erkannt. Diese Symptome sollten Sie beachten:

  • unregelmässiger Herzschlag
  • Herzstolpern und Pausen
  • schneller Herzschlag/Herzrasen
  • Luftnot
  • Brustschmerzen
  • Schwindel
  • schnelle körperliche Erschöpfung
  • mangelnde Leistungsfähigkeit

All dies sind Warnsymptome, die bei Ihrem Hausarzt oder Kardiologen abgeklärt werden sollten. 

Welche Arten von Vorhofflimmern gibt es?

Vorhofflimmer-Typ Merkmale
Erstmalige Feststellung Häufig ist Vorhofflimmern eine Zufalls-Diagnose. Dann ist die Dauer der Arrhythmie nicht bekannt, so dass keine Einstufung in die nachstehenden Gruppen getroffen werden kann. Diese Einteilung ist auch unabhängig von begleitenden Symptomen.
Paroxysmales Vorhofflimmern Das Selbstlimitierende oder Paroxysmale Vorhofflimmern betrifft Flimmer-Episoden mit einer Dauer von in der Regel weniger als 48 Stunden. Dies ist für die Einstufung wichtig, da die Wahrscheinlichkeit, dass sich Blutgerinnsel im Herzen gebildet haben nach 48 Stunden relevant erhöht. Zudem ist die Wahrscheinlichkeit, dass eine Flimmer-Episode nach 48 Stunden selbst terminiert gering. Paroxysmale Flimmer-Episoden können auch längere Zeit -bis zu 7 Tage- andauern. Bei solchen Episoden muss eine Antikoagulationstherapie erwogen werden.
Persistierendes Vorhofflimmern Unter Persistierendem Vorhofflimmern versteht man Episoden mit einer Dauer über 7 Tage oder Episoden, die eine Kardioversion erfordern, um das Ereignis zu beenden.
Lang anhaltend persistierendes Vorhofflimmern Bei diesem Typ besteht das Vorhofflimmern mindestens 1 Jahr. Bei diesen Patienten wurde die therapeutische Entscheidung zur Rhythmuskontrolle getroffen. Häufig gingen bereits zahlreiche Kardioversionen voraus.
Permanentes Vorhofflimmern Dauerhaftes Vorhofflimmern, bei dem keine therapeutischen Versuche zur Konversion in einen normalen Sinusrhythmus mehr erfolgen (von Arzt und Patient akzeptiert). 
Quelle: Kompetenznetz Vorhofflimmern

Sind viele Menschen von Vorhofflimmern betroffen?

Die Absolute Arrhythmie (Vorhofflimmern) ist die häufigste Herzrhythmusstörung im Erwachsenen Alter. Allein in Deutschland leiden etwa 2 Millionen Menschen an dieser Rhythmusstörung. Besonders in der Gruppe älterer Menschen leidet ein großer Prozentsatz an dauerhaftem (permanentem) oder gelegentlichem (paroxysmalem) Vorhofflimmern. 

Bei den 80-jährigen sind etwa 10-15% betroffen. Noch höher ist die Quote in der Gruppe der über 90-jährigen. Schätzungen gehen davon aus, dass sich durch die Zunahme des Altersquerschnittes in unserer Bevölkerung die Zahl der Flimmer-Patienten bis zum Jahr 2050 verdoppeln wird. 

Schlaganfall bei Vorhofflimmern 

Bei Vorhofflimmern besteht die Gefahr der Gerinnselbildung im Herzen - lösen sich diese Gerinnsel, droht ein Schlaganfall - Medikamente (Gerinnungshemmer) oder Verschlusssysteme (Occluder) können vorbeugen

Schlaganfall bei Vorhofflimmern: Häufig nicht erkannt - regelmässige Pulskontrolle kann Schlaganfall vermeidenDas menschliche Blut ist nicht nur „ein besonderer Saft“ sondern in der Tat eine hochkomplexe Flüssigkeit. Solange es in Bewegung ist, bleibt es flüssig. Bewegt sich das Blut nicht mehr schnell genug, bilden sich zunächst kleinere Aggregate (sog. Geldrollenbildung). Bei sehr langsamem Blutfluss oder Stillstand gerinnt das Blut, es entstehen Gerinnsel (Thromben). Beim Vorhofflimmern sind die Vorhöfe meist stark vergrößert, die Kontraktilität und somit die Pumpleistung ist sehr gering. Dies trifft insbesondere für das linke Vorhofohr zu. Das Vorhofohr (s.Abb. 1) ist ein Anhängsel der Vorkammer, das sich bei Sinusrhythmus kräftig kontrahiert und somit das enthaltene Blut auswirft. Bei Vorhofflimmern sinken die Flussgeschwindigkeiten im Vorhofohr: Es besteht die Gefahr der Blutgerinnsel-Bildung. Solche Blutgerinnsel lassen sich mit Hilfe der Echokardiographie (TEE) gut nachweisen. Besteht längere Zeit Vorhofflimmern (> 48 Stunden) ist das Risiko für die Entstehung von Thromben besonders hoch.

Schlaganfall-Risiko bei Vorhofflimmern

Bei Patienten mit Vorhofflimmern tritt etwa 5 mal so häufig ein Schlaganfall auf, wie in der Normalbevölkerung oder bei Patienten ohne Vorhofflimmern. Dabei ist unbedeutend, ob das Vorhofflimmern (VHF) gelegentlich auftritt oder dauerhaft besteht. 2 von 3 Schlaganfällen bei Vorhofflimmer-Patienten können durch eine adäquate Behandlung (dauerhafte Blutgerinnungshemmung) vermieden werden. Die neuen Leitlinien der European Society of Cardiology (ESC) aus dem Jahre 2010 empfehlen die antithrombotische Behandlung bei Vorhofflimmern für verschiedene Patientengruppen. Zur individuellen Risikoeinschätzung müssen zahlreiche Untersuchungen durchgeführt werden. Anhand von sogenannten score-Systemen lässt sich das Risiko objektivieren:

CHA2DS2VASc Score

Hierfür wurden Punktesysteme (sog. Scores) entwickelt, die eine Einschätzung des Risikos erlauben. Der aktuell empfohlene score ist der CHA2DS2VASc. Bei niedrigem CHA2DS2VASc score genügt häufig die Gabe von Aspirin zur Verhütung von Schlaganfällen.  Bei hohem CHA2DS2VASc score ist die Behandlung mit einem Medikament aus der Gruppe der Antikoagulantien erforderlich. Da diese Medikamente als Tablette (oral) eingenommen werden spricht man auch von der oralen Antikoagulation. Der klassische Vertreter aus dieser Gruppe ist das als Marcumar® bekannte Phenprocumon. Marcumar® hemmt die Bildung von Blutgerinnungsstoffen, für die das Vitamin K erforderlich ist. Wichtig ist, zu ermitteln, wer ein hohes Risiko für einen Schlaganfall hat. Denn jedes gerinnungshemmende Medikament birgt das Risiko von Blutungskomplikationen. Daher muss neben dem Risiko für das Auftreten eines Schlaganfalls auch das individuelle Blutungsrisiko bestimmt werden. Auch hier kommen score-Systeme zum Einsatz (z.B. HAS-BLED). Der behandelnde Arzt muss also im Einzelfall abwägen, welches Risiko schwerer wirkt.

Schlaganfall Risiko Vorhofflimmern: CHADS Score

Schlaganfall Häufigkeit in Deutschland. Mehr als 60.000 Schlaganfälle treten bei begleitendem Vorhofflimmern auf. Das Risiko ist dabei unabhängig davon, ob das Vorhofflimmern dauerhaft besteht (persistierend/permanent) oder nur gelegentlich auftritt (paroxysmal). nach Duning et al. 2008

ESC-Empfehlungen zur Antithrombotischen Behandlung bei Vorhofflimmern

Die Leitlinien der europäischen Fachgesellschaft (ESC) empfehlen die Behandlung verschiedener Patientengruppen. Dabei haben Empfehlungen einen sog. unterschiedlichen Empfehlungsgrad. Dieser Empfehlungsgrad basiert auf der Durchführung von großen klinischen Studien und Untersuchungen und wird in Expertengremien festgelegt. Den höchsten Empfehlungsgrad sieht die ESC bei folgenden Patientengruppen:

ESC-Leitlinien zum Vorhofflimmern

 

Viele klinische Studien belegen die Wirksamkeit und Notwendigkeit der Antikoagulantien-Therapie bei Vorhofflimmern. Allerdings ist die Einleitung der Behandlung langwierig. Es dauert einige Tage, bis die volle Wirksamkeit erreicht ist. Die Wirksamkeit selbst wird von vielen Faktoren beeinflusst. Nahrungsmittel die viel Vitamin K enthalten, hemmen die Wirkung, wird wenig Vitamin K mit der Nahrung aufgenommen, ist die Wirksamkeit erhöht. Kommt es zu einer Blutung, dauert es auf natürlichem Wege u.U. einige Tage, bis die normale Blutgerinnung wieder erreicht ist. Daher muss vor Operationen Marcumar® häufig abgesetzt werden. Wird Marcumar® eingenommen, muss regelmäßig die Wirksamkeit bestimmt werden. Dies geschieht durch Blutentnahmen und Bestimmung des INR-Wertes Früher wurde hierzu der sog. Quick-Wert bestimmt. Vergleichbarer ist der INR-Wert (International Normalized Ratio). Die INR Bestimmung erfolgt in der Regel beim Hausarzt, es besteht aber auch die Möglichkeit zur INR-Selbstbestimmung. Eine wesentliche Gegenanzeige (Kontraindikation) ergibt sich bei hohem Blutungsrisiko. Hier muss sehr genau abgewägt werden, welches Risiko als höher einzuschätzen ist: Schlaganfall oder Blutung. Um dies abzuschätzen, wurden Blutungsscores wie z.B. der HASBLED score eingeführt.

Blutungsrisiko Vorhofflimmern

Thrombin-Inhibitoren und Faktor Xa Inhibitoren

Neue Substanzklassen zur Schlaganfallprävention

Die Hemmung von Vitamin K hat in nahezu allen Studien eine klare Überlegenheit und einen unzweifelhaften Nutzen zur Schlaganfall Prävention gezeigt. Die schwierige Steuerbarkeit, die Notwendigkeit häufiger Blutabnahmen zur Gerinnungskontrolle, der Einfluss z.B. der Ernährung auf den Effekt der Blutgerinnung gestalten für viele Patienten den Alltag schwieriger als für eine Dauermedikation wünschenswert erscheint. An moderne Medikamente würde man daher folgende Anforderungen stellen:

  • Vorhersagbare Wirkung 
  • Vermeidung von Gerinnungstestungen
  • Schnelle Wirkung/Wirkungseintritt und ggf. auch schnelles Nachlassen der Wirkung bei Blutung 
  • Gute Steuerbarkeit
  • Einfache Medikationsschemata

Für eine Reihe von Medikamenten aus der Gruppe der sogenannten direkten Thrombin-Inhibitoren konnte aus ersten Phase II und Phase III Studien die Überlegenheit gegenüber der konventionellen Therapie mit dem bislang gebräuchlichen Phenprocumon gezeigt werden. Als erste Substanz aus dieser neuen Klasse an Medikamenten wurde das Dabigatran zugelassen und steht heute für die Prävention des Schlaganfalls bei Vorhofflimmern zur Verfügung. Der schnelle Wirkungseintritt (1/2-1 Stunde), die einfache Einnahme und das die fehlende Notwendigkeit von Routine-Gerinnungskontrollen erleichtern die Behandlung für Arzt und Patient. Diese Substanzgruppe zeigte in groß angelegtenStudien eine Senkung der Schlaganfallrate um 34 %, ohne dass es zu einer erhöhten Zahl von schweren Blutung gekommen war. Die US-amerikanischen Fachgesellschaften (American College of Cardiology, American Heart Association und Heart Rhythm Society ) haben daraufhin die Leitlinien zur Schlaganfall-Prävention verändert und empfehlen die Verwendung von Dabigatran als "Alternative" zu Vitamin K Antagonisten (Warfarin). Für Ärzte und Patienten erscheint diese Substanzklasse neben der verbesserten Wirksamkeit auch durch die einfachere Handhabbarkeit als sehr attraktiv. Liegen keine Störungen der Niere oder Leber vor, entfallen die häufigen Bestimmungen der Gerinnungsparameter durch Blutentnahmen. Weitere Vorteile können im schnellen Wirkeintritt und der im Vergleich zum Marcumar deutlich kürzeren Wirkdauer gesehen werden. Tritt eine Blutung auf oder wird eine OP erforderlich, entfallen die bislang üblichen Umstellungen von Marcumar auf Heparin. Es gibt aber Einschränkungen für die Verwendung dieser Substanzklasse. Bislang gibt es nur wenige Daten für Patienten wie älter als 75 Jahre sind. Auch bei Einschränkung der Nierenfunktion oder bei Einnahme von Antiarhythmika wie Amiodaron oder Verapamil ist Vorsicht geboten. 

Eine weitere Substanzklasse ist die der direkten Faktor-Xa Inhibitoren. Zu diesen Substanzen gehören Medikamente wie Rivaroxaban, Apixaban oder Edoxaban. Diese Substanzen greifen beim Faktor Xa in die Gerinnungskaskade ein. Die gegenwärtig wichtigste Studie zum Vorhofflimmern ist wohl die Rocket-AF Studie, in der gezeigt werden konnte, dass die Substanz ähnlich gute Werte wie das Warfarin (Vitamin-K Hemmer) in Bezug auf die Schlaganfall Prävention zeigt. In dieser Studie waren die Fälle von schweren Blutungen deutlich reduziert, so dass diese Gruppe möglicherweise für Patienten mit höherem Blutungsrisiko (s.o.) in Betracht kommt.

 

Konsensus Ratgeber Schlaganfall Prävention

 
  http://www.infill.com/downloads/Konsensus-Ratgeber.zi

 

Namhafte Autoren haben in dieser Broschüre Diagnose- und Therapieempfehlungen für den Behandlungsalltag zusammengefaßt. Das Autoren-Team:

 

Prof. Dr. med. Michael Böhm (UK Homburg/Saar)
Prof. Dr. med. Harald Darius (Berlin)
Prof. Dr. med. Hans-Christoph Diener (UK Essen)
Prof. Dr. med. Martin Grond (KH Siegen)
Prof. Dr. med. Stefan Hohnloser, Frankfurt
Prof. Dr. med. Michael Näbauer (Herzzentrum München)
Prof. Dr. med. Karin Rybak (Dessau-Roßlau)
Prof. Dr. med. Stephan Willems (UKE Hamburg)
Dr. med. Jost Henner Wirtz (Dinslaken)

 

 

 

s.a. Vorhofflatter-Ablation   

Neue Gerinnungshemmer bei Vorhofflimmern (NOAK)

Die "Blutverdünnende Therapie" (orale Antikoagulation) mit sog. Vitamin-K Antagonisten (z.B. Marcumar) wird heute durch eine neue Medikamentengruppe ergänzt - die NOAKs. Vor- und Nachteile, aktuelle Empfehlungen und Erfahrungen mit den neuen Medikamenten fassen wir für Sie zusammen.

Das Gerinnungssystem des Körpers ist komplex. Ein wichtiger Weg, die Gerinnungsaktivität zu hemmen geht über die Gerinnungsfaktoren, die vom Vorhandensein von Vitamin-K abhängen. Marcumar und verwandte Substanzen reduzieren die Bildung von Vitamin-K abhängignen Gerinnungsfaktoren. Die Einleitung einer Behandlung dauert meist mehrere Tage und ist nur schlecht vorhersehbar. Die Ernährung (Vit.-K haltige Speisen), Durchfallerkrankungen und andere Faktoren, die Aufnahme und Stoffwechsel von Vit.-K beeinflussen, beeinflussen die Wirkung. Daher müssen die Gerinnungswerte bei der Marcumar-Therapie regelmässig kontrolliert werden. Vor Operationen muss die Medikation rechtzeitig beendet werden, ggf. ist eine Zwischenbehandlung (bridging) mit Heparin notwendig.

Die neuen Gerinnungshemmer (NOAK) versprechen hier für den Patienten eine deutliche Erleichterung. Der Therapieeffekt der NOAKS setzt schnell ein und muss nicht ständig kontrolliert werden Ein klarer Vorteil in klinischen Studien: bei gleicher Wirksamkeit weniger Blutungen. Derzeit bestehen aber noch Einschränkungen in der breiten Behandlung, da die Krankenkassen die Medikation oft nicht übernehmen. Gern beraten wir Sie auch beim Thema optimaler Gerinnungshemmer. 

Vorhofflimmern bei Sportlern - Wir erklären, was zu beachten ist, welche Risiken und Behandlungsmöglichkeiten bestehen

Dürfen Sportler bei Vorhofflimmern weiter aktiv Sport treiben (z.B. Laufen)? Wie erkenne ich als Sportler die Erkrankung? Gibt es Warnsignale?

Sport und Vorhofflimmern: Nach Ablation läuft Tim Cole Marathon

Grundsätzlich gilt: Körperliche Fitness durch regelmässiges Ausdauertraining schützt vor Vorhofflimmern. Auch, wenn bereits Vorhofflimmern besteht, können erneute Anfälle durch regelmässige körperliche Aktivität verringert werden. Aber: aktuell publizierte Untersuchungen zeigen, dass extremer Aussdauersport (z.B. Marathon/Skilanglauf) das Risilo für Vorhofflimmern deutlich erhöht, auch schon im jüngeren Lebensalter (>40). Doch ist Ausdauer-Sport per-se schädlich? Sollte davon abgeraten werden? Das Beispiel des ersten Marathonläufers, der nach der Schlacht gegen die Perser in voller Rüstung den Lauf über 42,195 Kilometer zur Überprüfung der Siegesnachricht vollführte und tot zusammenbrach könnte dies nahe legen. Allerdings: die positiven Auswirkungen von Ausdauersport auf Körper und Psyche sind ebenfalls in großen klinischen Studien belegt. Wo liegt also beim Ausdauersport das Risiko, was kann der einzelne Läufer tun?

Meist liegen beim Vorhofflimmern behandelbaren Ursachen vor. Allen voran der Bluthochdruck. Zwar gibt es deutliche Hinweise dafür, dass Ausdauersport sich positiv auf die Entwicklung eines Bluthochdrucks auswirkt, ständiges Training bei zu hohem Blutdruck kann aber das Herz schädigen und Vorhofflimmern begünstigen. Daher sollten Ausdauersportler regelmäßig Vorsorgeuntersuchungen durchführen lassen. Dabei geht es in erster Linie nicht darum, den spektakulären Herztod beim Marathonlauf zu verhindern. Solche Ereignisse sind meist multifaktoriell und nur schwer bis gar nicht vorhersehbar. Permanentes Training bei Bluthochdruck oder einer koronaren Herzerkrankung kann das Herz aber schädigen. Warnsignale für jeden Läufer sind

  • Leistungsknick, neu aufgetretene Luftnot
  • Herzrhythmusstörungen während oder nach der Belastung (unregelmäßiger Puls, Herzrasen)
  • Beinödeme (Wasser in den Beinen)
  • ungewöhnlich lange anhaltender hoher Puls nach Belastung
  • Brustenge/Brustschmerz während oder nach Belastung

treten solche Symptome auf, sollte umgehend ein Herzspezialist konsultiert werden. Damit es gar nicht so weit kommt: regelmäßiger Fitness-check kann hier vorbeugend wirken. Ist z.B. ein erhöhter Blutdruck adäquat behandelt, steht auch Ausdauersport nichts entgegen. Im Gegenteil! Aber: Ausdauersportler sollten diese Herzrhythmusstörungen kennen, da gerade auch bei jüngeren Patienten Vorhofflimmern in der Gruppe der Langstreckenläufer häufiger auftritt als in der vergleichbaren Altersgruppe. In einer kürzlich publizierten Studie konnten Vorhersagewerte (sogenannte Prädiktoren) für das Auftreten von Vorhofflimmern bei Langstreckenläufern bestimmt werden: ein großer linker Vorhof (Vorkammer) und eine langsame Herzfrequenz. Beides kann beim Sport-check untersucht werden, "Werden behandelbaren Ursachen für eine erhöhte Vorhofgröße frühzeitig behandelt, kann langanhaltendes Vorhofflimmern in vielen Fällen vermieden werden", so Prof. Lewalter vom Osypka Herzzentrum. Prof. Lewalter hat Tim-Cole als einen der ersten Patienten im Süddeutschen Raum erfolgreich behandelt. 

Was aber, wenn bereits Vorhofflimmern besteht? Kann/darf dann noch Sport ausgeübt werden?

Viele Sportler trainieren mit einer Pulsuhr. Herzrhythmusstörungen fallen so häufig schnell auf. Da meist eine behandelbaren Ursache vorliegt, sollten neu aufgetretene Rhythmusstörungen immer Anlass zu einer sorgfältigen internistisch/kardiologischen Abklärung sein. Länger andauernde Flimmern-Episoden können das Herz schädigen und sogar einen Schlaganfall auslösen. Ein reinmedikamentöser Therapieansatz (Frequenzbegrenzung) ist bei Sportlern häufig nicht erfolgversprechend. Patienten, die unter dem Vorhofflimmern symptomatisch werden oder bei Belastungen (hier Sport) keine adäquate Leistungssteigerung mehr erzielen können, ist eine Ablations-Behandlung eine sinnvolle Therapie-Alternative. Ein prominentes Beispiel der bekannte Internet-Journalist Tim Cole, der über seine Erkrankung (Vorhofflimmern) und Behandlung mittels Laser-Ablation im Internet berichtete.Tim Cole gehörte zu den ersten Patienten, die von Prof. Dr. Lewalter mittels der Laser-Ablation behandelt wurden. Cole kann seit der Behandlung wieder Marathon laufen. Wie ernst diese Erkrankung aber zu nehmen ist, hat der Internet-Autor am eigenen Leib erfahren müssen: noch kurz vor der Ablation hatte er einen kleinen Schlaganfall erlitten, der jedoch folgenlos ausheilte. Zu Presseartikeln zum Thema hier

Welches Training ist bei bereits an Vorhofflimmern Erkrankten das Richtige?

Eine generelle Belastungsstufe oder Herzfrequenz, die für alle Patienten gilt, gibt es natürlich nicht. Ihr Kardiologe oder Sportmediziner kann Ihnen aber nach einem Leistungs-Check unter Berücksichtigung sonstiger Erkrankungen oder Risikofaktoren, Empfehlungen für Trainingsart, Dauer und maximale bzw. optimale Herzfrequenz geben. Wichtig für sportlich aktive ist auch eine angepasste Medikation. Gerade bei Patienten mit Bluthochdruck ist eine angepasste, moderne Medikation wichtig. 

Bleiben Sie im Takt - Ausdauersport hilft auch bei Vorhofflimmern!

Hier geht es zu unserem BLOG zum Thema Vorhofflimmern.

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LASER - Ablation
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